„Was das sind alle?“ war mein erster Gedanke, als in Hamburg Bergedorf auf der Mercadiade ankam. Ich war die letzten Jahre schon häufiger zu dem zweittägigen Tunier gefahren, immer zum Legacyspielen, immer mit Spaß dabei. Ich mochte die faire und entspannte Atmosphäre im Kreis von rund 100 Gleichgesinnten. Moment 100 Gleichgesinnte? Letztes Mal waren es nur 80, fiel mir ein. Und schlagartig schossen mir die klassischen Panikschlagzeilen durch den Kopf: „Legacy stirbt“ „Das Format ist zu teuer“ „Denk an Vintage, das spielt auch keiner mehr.“.
Ursachenforschung
Ich versuchte während der sechs Runden (in Zahlen – 6) ein paar Ursachen zu finden und bekam folgende Antworten:
• Examenszeit bei den Studenten
• Zu kalt, zu früh, zu dunkel
• Terminkollision mit einem Modern GPT in Hamburg
• Schlechter Preispayout oder besser: Bei fünf Euro Startgeld kommt eh nichts zusammen
• Letztes Mal waren auch schon so wenig Teilnehmer, dass lohnt sich kaum dahin.
Alles richtig. Am Ende ist jeder Grund individuell und es gibt bestimmt noch viele andere. Aber Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich, sagte meine Mama immer. Im Ergebnis glaube ich, dass es an den letzen beiden Gründen liegt.
Das Dilemma
Warum die Überschrift? Das Gefangenendilemma beschreibt eine Situation, in der zwei Einbrecher gefasst werden und getrennt voneinander von der Polizei verhört werden und keine Möglichkeit haben sich abzusprechen. Beiden droht eine Strafe von –na sagen wir mal-sechs Jahren nach § 243 Abs. I Nr. 1 StGB. Verrät keiner den anderen, werden sie straffrei rauszugehen. Verrät nur der eine den anderen, werden die sechs Jahre für den Verräter auf zwei Jahre wegen kooperativen Verhaltens gesenkt. Das Opfer des Verrats bekommt weiterhin sechs Jahre. Verraten beide jeweils den anderen, dann wird die Strafe für alle nur leicht auf vier Jahre gesenkt.
Ok soweit so gut, was hat das jetzt mit Legacy zu tun? Es geht um die Beschreibung einer Situation, in der die Chancen hoch sind, dass der eine den anderen verrät und so sich beide in die Scheiße reiten. (Ganz nebenbei ist es ein klassisches Beispiel der Spieltheorie). Warum ist das so? Diese Situation entsteht, weil sich beide Einbrecher nicht absprechen können und so ständig mit der Frage leben müssen, werde ich verraten oder bin ich lieber Verräter. Übertragen auf die schwindende Teilnehmerzahl folgt daraus, dass wenn im ersten Jahr weniger zu dem Turnier kommen, sich die anderen überlegen werden: „Letztes Mal waren schon so wenig da, da bleibe ich besser auch zu Hause, bevor ich der Dumme bin und da alleine stehe.“ diese Abwärtsspirale setzt sich fort und am Ende kommt keiner mehr.
Durchbrochen werden kann diese Situation durch Absprachen und bessere Kommunikation und Zuverlässigkeit. Ich habe den Eindruck, dass je mehr Werbung auf den einschlägigen Webseiten gemacht wird, desto mehr Teilnehmer finden sich. Wenn jetzt auch offen ersichtlich ist, welche verbindlichen Zusagen es gibt (Betonung auf verbindlich und nicht das übliche „mal schauen“, „eigentlich ja“ und das klassische „vielleicht eventuell“). Gute Erfolge hatte m.E. dabei die Bannerwerbung auf MKM und der Verkauf von Tickets dort. So war für jeden Transparenz dort geschaffen, wo man eh häufiger vorbeischaut. Jeder wusste wie viele Personen kommen und was mich erwartet. Gleiche Möglichkeiten gibt es auch auf anderen Webseiten oder Foren. Dabei sind farbige Banner besser als Threads, durch die man sich durchklicken muss. Die Anzeigen auf der Mercadia Homepage war ok, aber insgesamt etwas verschachtelt. Ich fragte mich wirklich, ob das Turnier jetzt stattfindet oder ganz am Ende des Threads noch abgesagt wird.
Preise
Wichtig sind gute Preispayouts. Ruhm und Ehre erreiche ich auch am Küchentisch. Wenn ich Geld (Fahrtkosten) und Zeit (5:40 Uhr Aufstehen Samstags morgens) investiere, möchte ich auch eine Geschichte erzählen am Ende. Eine Geschichte mit epischen Siegen und einem spektakulären Preis, den ich errungen habe. Die Phantasie braucht ein Objekt der Begierde. Schau ich mir den Bazar of Moxen in Annecy an und sehe dort die Preise, bestehend aus den teuersten und legendärsten Karten der 20-jährigen Geschichte von Magic, läuft es mit feucht am Bein runter bei der Vorstellung zu siegen und das alles mein zu nennen. Dabei ist nicht der finanzielle Aspekt das entscheidende, wichtig ist die Trophähe, der Skalp meiner Opfer, das goldene Vlies oder der Schatz am Grunde des Rheins. Heldentaten brauchen solche Schätze. Der dritte Platz und ein Fatpack DKA letztes Jahr (moi) oder 12 Booster GTA für den zweiten Platz dieses Jahr (mein Mitfahrer) sind kaum Geschichte wert. Für bessere Preise bin ich gerne bereit mehr zu zahlen. Denn, wenn das 1000 Euro Deck schon Auslauf bekommt, darf das Startgeld auch gerne etwas mehr betragen. Gut ist es, wenn die Preise vorher feststehen und nicht immer eine Enttäuschung der Erwartungen sind.
Fazit
Mehr Transparenz bei der Teilnehmerzahl, bessere Werbung und bessere Preise würden den Teilnehmerkreis wieder vergrößern. Ich weiß, dass das ein weitgehend privates Turnier ist und meine Eingaben sind mehr als Anregung, denn als Kritik gemeint. Aber ich würde im Sommer- Herbst gerne wieder mehr Gleichgesinnte im Lichtwarkhaus treffen.
Btw FIFDLAR



